Treffpunkte

Karte Treffpunkte der Naziszene in Niedersachsen

In ganz Niedersachsen gibt es Orte, an denen sich Neonazis treffen. Dazu gehören Gebäude, die in ihrem Besitz sind und die als Anlaufstelle für die regionalen Szenen dienen, genauso wie Städte und Gemeinden, in denen sich Neonazis zwischen 2008 und 2010 zu Demonstrationen, Kundgebungen oder auch Mahnwachen getroffen haben.

Bad Nenndorf

Seit 2006 treffen sich Angehörige der Neonazi-Szene alljährlich Ende Juli/Anfang August in Bad Nenndorf um an die Geschehnisse im Wincklerbad  zu erinnern. Das Wincklerbad war kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges durch die Alliierten zu einem Gefängnis umfunktioniert worden, in dem ehemalige Angehörige der SS, aber auch Kommunisten unter teilweise unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten wurden. Was 2006 mit einer Mahnwache unter dem Titel „8. Mai: Gefangen, gefoltert, gemordet. Damals wie heute – Besatzer raus“ mit einer überschaubaren Anzahl an Teilnehmer_innen begann, erreichte 2010 seinen Höhepunkt mit über 1.000 Neonazis. Die Anzahl sank aber bis 2012 wieder auf 450.

Braunschweig

Am 16. August 2008 versammelten sich etwa 60 Neonazis spontan zu einer Kundgebung um an den Todestag von Rudolf Hess, der am 17. August 1987 Suizid begangen hatte. In Folge des Verbots des Aufmarsches in Wunsiedel hatten sich in mehreren deutschen Städten Neonazis zu Kundgebungen getroffen.  (siehe Hildesheim).

Delmenhorst

In Delmenhorst waren in den vergangenen Jahren Neonazis – und insbesondere die JN – mehrfach aktiv. So zogen am 14. November 2009 15 Personen mit Fackeln an einem Kriegsdenkmal auf und hielten eine Mahnwache ab. Am 25. Februar 2010 veranstalteten 16 Personen eine weitere Mahnwache. Anlass war dieses Mal der Protest gegen eine Wanderausstellung des Verfassungsschutzes: „Verfassungsschutz gegen Extremismus – Demokratie schützen gegen Rechts- und Linksextremismus“. Im Laufe des Jahres fanden darüber hinaus zwei Kundgebungen mit größerer Beteiligung statt: Unter dem Motto „Bundeswehr raus aus Afghanistan“ fanden sich am 15. Mai 2010 etwa 80 Neonazis in Delmenhorst zu einer Kundgebung ein und am 31. Juli 2010 fand eine Kundgebung für „Soziale Gerechtigkeit“ mit etwa 30 bis 40 Personen statt.

Dorfmark

Alljährlich an Karfreitag treffen sich im beschaulichen Ort Dorfmark (Landkreis Soltau-Fallingbostel) die sogenannten Ludendorffer – die Mitglieder des Bundes für Gotterkenntnis (siehe Organisierte Neonazis).

Friedland

Am 1. Mai 2009 fand in Friedland in Folge des Verbots der Demonstration in Hannover eine spontane Versammlung von Neonazis statt. Daran nahmen etwa 30 Menschen teil. Auch in anderen Städten und Gemeinden versammelten sich Neonazis – und gingen wie in Dortmund teilweise sehr brutal gegen Andersdenkende vor (taz vom 4.5.2009).

Goslar

Im Rahmen des Landtagswahlkampfes 2008 fand am 19. Januar 2008 in Goslar eine Kundgebung der NPD mit etwa 60 Teilnehmer_innen statt. Die Kundgebung wurde von den Gegendemonstrant_innen mit Trillerpfeifen gestört, so dass die Redebeiträge kaum zu verstehen waren. Im Anschluss reisten die Teilnehmer_innen gemeinsam mit dem Anmelder der Kundgebung sowie den Rednern weiter nach Salzgitter zu einer weiteren Veranstaltung (Artikel auf newsclick.de). Seither haben in der Stadt Goslar wie auch im Landkreis mehrere Mahnwachen stattgefunden, die von NPD organisiert worden sind:

  • Am 29. November 2008 fanden sich 12 Neonazis in Goslar zu einer Mahnwache zusammen. Das Motto: „Kapitalismus und Globalisierung stoppen! Banken verstaatlichen!“
  • „Gegen Behördenwillkür und Schikane – Stadt, gibt heraus, was unser ist!“ traten am 1. Dezember 2009 in Vienenburg 11 Neonazis ein.
  • Am 21. August 2010 fand in Goslar eine Mahnwache mit 12 Neonazis statt. Sie forderten: „Kein deutsches Blut für US-Interessen – Raus aus Afghanistan!“ Mit der gleichen Forderung trafen sich am 25. September 2010 in Bad Harzburg 14 Neonazis und am 16. November 2010 in Vienenburg 8 Neonazis zu einer Mahnwache.

Hameln

„Mafiastrukturen in Politik und Verwaltung bekämpfen – Kriminelle Ausländer konsequent ausweisen – NPD wählen“ war das Motto einer Kundgebung der NPD am 12. Januar 2008, mit der Jürgen Rieger, ehemaliger und inzwischen verstorbener Bundesvorsitzender der NPD, den niedersächsischen Landesverband der NPD im Landtagswahlkampf unterstützen wollte. Etwa 50 Neonazis nahmen an dieser Veranstaltung teil.

Hannover/Region

Am Rande des Schützenausmarsches am 16. Mai 2009 versammelten sich etwa 15 Neonazis zu einer Spontandemo. Sie forderten die Schließung des selbstverwalteten Kultur- und Kommunikationszentrums Wohnwelt in Wunstorf und protestierten „gegen das linke Spektrum“.

Hannover/Stadt

Am 1. Mai 2009 sollte in Hannover unter dem Motto „Schluss mit Verarmung, Überfremdung und Meinungsdiktatur – Nationaler Sozialismus jetzt!“ eine große Demonstration stattfinden, für die bundesweit mobilisiert wurde. Die Demonstration wurde kurzfristig von der Stadt Hannover verboten und das Verbot vom Bundesverfassungsgericht bestätigt. Ein knappes halbes Jahr später fand am 12. September 2009 dann aus Anlass der anstehenden Bundestagswahl ein Aufzug der NPD unter dem Motto „Sturmfest und erdverwachsen“ statt. Daran nahmen 274 Neonazis teil. Die Veranstaltung wurde von massiven Protesten der hannoverschen Bevölkerung begleitet.

Harburg

Am 23. Februar 2010 fand in Tostedt im Kreis Harburg ein Spontanaufzug von 15 Neonazis statt. Die Gruppe zog mit Fackeln am örtlichen Jugendzentrum vorbei, hielt am Kriegsdenkmal an und gedachte Horst Wessel, einer der Symbolfiguren des Nationalsozialismus. Nur kurze Zeit später – und zwar am 3. April 2010 – fand im benachbarten Buchholz eine Kundgebung der NPD statt. Unter dem Motto „Gegen Ausländerkriminalität! Für die Abschiebung aller krimineller Ausländer“ versammelten sich etwa 50 Neonazis. Die Kundgebung wurde vom Protest mehrerer hundert Gegendemonstrant_innen begleitet. Letztendlich musste die Veranstaltung vorzeitig abgebrochen werden: Die Veranstalter waren von einer größeren Teilnehmer_innenzahl ausgegangen.

Heisenhof

Der Heisenhof ist ein ehemaliges Bundeswehrgelände in Barme (Gemeinde Dörverden). Der Hof gehört der Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung e.V.  – eine rassistische Vereinigung, die lange von dem inzwischen verstorbenen Jürgen Rieger geprägt wurde. Er war es auch, der über die Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation den Hof verwaltete. Laut einer Abbruchverfügung der Kreisverwaltung Verden werden die Gebäude nun abgerissen werden. Eine Klage der Wilhelm-Tietjen-Stiftung gegen diese Verfügung wurde im April 2011 durch das Oberverwaltungsgericht Lüneburg abgewiesen.

Hildesheim

Am 5. Juni 2010 fand in Hildesheim der „Tag der deutschen Zukunft“ statt. Motto: Ein Signal gegen Überfremdung – Gemeinsam für eine deutsche Zukunft“. Daran nahmen etwa 750 Neonazis teil. Für diese Veranstaltung wird bundesweit mobilisiert. Der „Tag der deutschen Zukunft“ fand zum ersten Mal 2009 in Pinneberg statt und bildete mit rund 250 teilnehmenden Neonazis den Auftakt. Am 4. Juni 2011 fand der „Tag der deutschen Zukunft“ zum dritten Mal statt – in Braunschweig. Über diese Demonstration hinaus gab es 2010 zwei weitere weniger gut besuchte Veranstaltungen von Neonazis in Hildesheim:  Am 14. Januar 2010 fand eine Mahnwache „Für Freiheit bis in den Himmel“ der Freien Nationalisten mit 6 Teilnehmer_innen statt und am 22. März 2010 eine Mahnwache der NPD mit 9 Neonazis unter dem Motto „Bombardierung Hildesheim – wir vergessen nicht“.

Hof Nahtz

Der Hof Nahtz in der Nähe von Eschede (Kreis Celle) ist ein zentraler Treffpunkt für Neonazis in der Region Celle, der jedoch auch eine überregionale Bedeutung in der Szene hat. Der Hof wird von Joachim Nahtz und seiner Familie bewohnt. Nahtz ist seit Jahren Angehöriger der Neonaziszene und Mitglied der NPD. Regelmäßig finden auf dem abgeschieden gelegenen Hof größere Veranstaltungen wie Konzerte und Sonnenwendfeiern statt.

Lüneburg

Im Jahr 2009 fand in Lüneburg eine Vielzahl an Demonstrationen und Kundgebungen statt, die von Neonazis angemeldet und durchgeführt wurden. So wollten am 11. April 2009 etwas mehr als 100 Neonazis unter dem Motto „Gegen linke Gewalt“ durch Lüneburg marschierten. Die Demonstration konnte jedoch durch die Blockade einer Brücke über die Ilmenau durch 170 Menschen gestoppt werden. Die folgenden Aufmärsche am 23. Mai („Gegen Repression – für Demonstrationsfreiheit/Behördenwillkür – Keine Blockade der Meinungsfreiheit“) mit ebenfalls gut 100 Teilnehmer_innen und am 17. August („Meinungsfreiheit auch für Nationale“) mit etwa 20 Teilnehmer_innen sind als Reaktion auf die Blockade der Demonstration im April zu betrachten.

Oldenburg/Land

In Wildeshausen fand am 13. Januar 2010 eine Mahnwache der JN statt. 15 Neonazis trafen sich vor dem Amtsgericht und solidarisierten sich mit Mario M., der sich dort wegen Körperverletzung und Nötigung verantworten musste. Ebenfalls in Wildeshausen fand am 31. Juli 2010 eine Kundgebung der DVU statt. Ursprünglich hatte auch die NPD zu der Veranstaltung mobilisiert, letztendlich nahmen aber nur 15 Neonazis daran teil. Die Kundgebung wurde vorzeitig beendet und die Teilnehmer_innen mussten von der Polizei aus der Stadt eskortiert werden: 700 Gegendemonstrant_innen hatten sich eingefunden um die Kundgebung mit Protest zu begleiten.

Oldenburg/Stadt

57 Teilnehmer_innen zählte die Demonstration „Soziale Gerechtigkeit für alle – gegen Politisierung der Polizei“ am 5. Juli 2008 in Oldenburg. Sie waren dem Aufruf des Hamburger Kameradschaftsführers Christian Worch gefolgt. Nach der Auflösung der Gegendemonstration mit etwa 1.200 Teilnehmer_innen kam es am Oldenburger Hauptbahnhof zu Übergriffen durch die Polizei (taz vom 17.7.2008 und Anfrage von Helge Limburg)

Osnabrück

Anlässlich des 2000jährigen Jubiläums der Varus-Schlacht (Eintrag in Wikipedia) marschierten am 7. März 2009 etwa 200 Neonazis durch Osnabrück. Flankiert wurde der Aufmarsch von 5.5000 Antifaschist_innen, die ihren Protest lautstark zum Ausdruck brachten.

Ostfriesland

In den letzten Jahren fanden in der Region Ostfriesland einige Kundgebungen und Gedenkfeiern statt, die von NPD, DVU oder der Aktionsgruppe Wiking angemeldet und durchgeführt wurde. Inhaltlich ging es bei den Veranstaltungen insbesondere um die Erinnerung an die Opfer der Bombenangriffe auf die einzelnen Städten und Gemeinden.

  • Gedenkfeier und Kranzniederlegung in Erinnerung an die Bombenopfer am 27. September 2008 in Jever mit etwa 30 Teilnehmer_innen
  • Ökomenische Friedensandacht zum Gedenken an die Bombenopfer am 27. September 2008 in Esens mit etwa 17 Teilnehmer_innen
  • Feier des dreijährigen Bestehens der Aktionsgruppe Wiking am 9. November 2008 in Wilhelmshaven mit etwa 30 Teilnehmer_innen
  • Demonstration „Gegen das Vergessen der Bombenopfer“ am 15. November 2008 in Esens mit etwa 30 Teilnehmer_innen
  • Demonstration in Wilhelmshaven unter dem Motto „Gegen Verdrehung der Tatsachen von Staat und Antifa im Bezug auf die Nationale Bewegung“ am 28. März 2009 mit etwa 150 Teilnehmer_innen
  • Demonstration für Soziale Gerechtigkeit am 25. April 2009 in Wilhelmshaven mit etwa 20 Teilnehmer_innen

Rotenburg (Wümme)

In Folge des Verbots der Demonstration in Hannover versammelten sich am 1. Mai 2009 etwa 100 Neonazis in Rotenburg und störten die Maikundgebung der Gewerkschaften. Auch in anderen Städten und Gemeinden versammelten sich Neonazis – und gingen wie in Dortmund teilweise sehr brutal gegen Andersdenkende vor(taz vom 4. Mai 2009).

Salzgitter

Im Rahmen des Landtagswahlkampfes 2008 fand am 19. Januar 2008 in Salzgitter eine Kundgebung der NPD statt. Die etwa 60 Teilnehmer_innen waren gemeinsam mit dem Anmelder der Veranstaltung sowie den Rednern mit dem Bus aus Goslar angereist und wurden auf dem Platz am Rande der Stadt von 200 Bereitschaftspolizist_innen in Empfang genommen. Nach nur wenigen Minuten war die Veranstaltung wieder vorbei und die Gruppe reiste ab (Artikel auf newsclick.de).

Seevetal-Meckelfeld

Im Rahmen des Wahlkampfes zur Landtagswahl am 27. Januar fand am 20. Januar 2008 unter dem Motto „Sicher leben ohne Multi-Kulti – gegen Ausländergewalt“ eine Demonstration mit etwa 80 Neonazis in Seevetal-Meckelfeld (südlich von Hamburg) statt.